Zwischen loser Vertrauten
January 24 – February 22, 2025






Fotos: Johannes Bendzulla
Laude yu & Tiziana Krüger
„Noli me tangere“ betitelt die Szene in der Maria Magdalena das Grab Jesu nach seiner Beerdigung besucht um zu trauern. Am Grabe erblickt sie ebendiesen Auferstandenen. Um sich seiner zu vergewissern, streckt sie ihre Hand aus, ihn zu berühren, doch Jesus erwidert „Berühr’ mich nicht. Ich bin noch nicht zum Vater aufgestiegen. Geh zu den Jüngern und verkünde von meiner Wiederauferstehung.“ Zuvor wurde das Motiv in Hinsicht auf sexualisierte Gewalt, Moral und Unversehrtheit von Gewalt interpretiert, denn die Essenz des „Noli me tangere“ akkumuliert sich gerade in der Nichterfüllung einer ersehnten Tat.
Unter der philosophischen Idee der Latenz, die Laude yu (*1995) in ihren Arbeiten und Denken voranstellt, gewinnt das „Geständnis“, das in der Installation „Pleasure is thy weakness“ eingebettet ist, ein neues Verständnis. Unmittelbar verwoben ist das Gedicht mit der musikalischen Ebene, die erst durch den Dichtungsprozess entstand. Die gotischen Elemente der Rauminstallation sind direkte Referenz zu Architekturen, die vor allem in christlichen Kontexten auffindbar sind. Das Gedicht kann als Form der Erinnerung, die das Vergangene hervorholt, begriffen werden, rituell jedoch auch als eine sich von vergangenem lösende, da die Beichte als reinigend gilt. Neben dem Bewahren einer Erinnerung ist es aber auch, wie Henri Bergson es in „Materie und Gedächtnis“ beschreibt, das Neu-Empfinden des Vergangenen, das dieses in die Gegenwart holt.
Tiziana Krüger befasst sich mit der Untersuchung dichotomer Räume. Sie interessiert sich für die Ambivalenz der Dinge und Themen, welche widersprüchliche Gefühle hervorrufen. Das Harte wird zerbrechlich, das Organische künstlich, und das Subtile rückt in den Fokus. Dabei ist das Motiv von Grenzen eine wiederkehrende Thematik: Was sind Grenzen? Wer hat sie geschaffen? Welche Machtgefüge verbergen sich dahinter? Und welche Konsequenzen entstehen daraus? Eine vermeintliche Gefahr, die vom Objekt ausgeht, eine ortsspezifische Intervention oder die Versuchung der Interaktion mit dem Werk schaffen Atmosphären, in denen subtile Spannungen und Wechselbeziehungen zwischen Objekt, Raum und Betrachter:innen entstehen können.
Tiziana Krüger (*1991 in Herford) studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Potsdam und absolvierte ihren Bachelor of Fine Arts im Fachbereich Fotografie an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Ihr multimedialer Ansatz umfasst Fotografie, Installation und Skulptur. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Kunstmuseum der Nanjing University of the Arts in Shanghai, im Rahmen von UNSEEN Amsterdam und zuletzt in der Zachęta Nationalgalerie für Kunst in Warschau. Tiziana Krüger lebt und arbeitet in Berlin.
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