BÜHNE BILDER POLITIK
04.Sept – 04.Okt 2025





Fotos: Johannes Bendzulla
Inka ter Haar
*1980 in Duisburg, lebt und arbeitet in Basel
Zu den Werken: more than a feeling, oil on linen, 250 cm x 210 cm, 2021 / 2022
Nach der Corona-Pandemie spürte ich ständig ein Bedrohungsgefühl auf der Straße, alles hatte sich verschärft, der Ton war rauer geworden. Gut, ich lebe im Matthäusquartier, da ist immer ein bisschen was los gewesen, aber jetzt war es plötzlich fast überall in der Stadt. Der Rückzug in den privaten Raum – das wissen wir aus Statistiken – hat Konsequenzen, besonders für Frauen. Diese Gewalt schien nun nach außen zu dringen, das war mein Gefühl. Jetzt ist es längst sichtbar: die öffentlichen Debatten, die Grenzüberschreitungen – es kommt alles an die Oberfläche. Wir müssen da jetzt hinschauen. Die Gewalt geht nicht einfach weg, sie muss umgewandelt werden.
Vor der Pandemie bin ich in Brüssel gewesen, ich hatte zu der Zeit schon lange nichts anderes mehr gesehen als Basel. Ich lief durch die Straßen – Bahnhofsviertel, Rotlichtmilieu –, vor einem Haus lagen Matratzen auf dem Bürgersteig. Menschen hatten sich dort eingerichtet, ihren wenigen Besitz dort verteilt, vor den Häusern. Ihre Matratzen auf dem Bürgersteig – sie schlafen dort. Das Bild hat mich nicht losgelassen.
Malte Bruns
*1984 in Bielefeld, lebt und arbeitet in Düsseldorf
Malte Bruns’ Skulpturen stellen klassische Schönheits- und Perfektionsideale infrage, indem sie menschliche Formen mit einer industriellen, künstlichen Ästhetik verschmelzen. Mithilfe von 3D-Druck und Abgüssen eigener Körperteile erschafft Bruns humanoide Figuren, die zugleich vertraut und fremdartig wirken – Wesen, die die rohe Verletzlichkeit des Menschseins und das groteske Streben nach Unsterblichkeit widerspiegeln. Seine Arbeiten thematisieren die gesellschaftliche Obsession mit der Kontrolle und Optimierung des Körpers sowie die Verdrängung der Sterblichkeit. Die Skulpturen, detailreich und doch abstrakt, zeigen die Spannung zwischen organischer Unvollkommenheit und technologischer Präzision. Sie tropfen, verformen sich und tragen verstörende Züge – Sinnbilder moderner Ängste rund um Mutation, Biotechnologie und Industrialisierung. Bruns zeigt, wie Maschinen und soziale Normen Ideale reproduzieren und Individualität auslöschen, während sie zugleich Transzendenz versprechen. Doch trotz ihrer Verzerrung bleiben seine Figuren zutiefst menschlich. Sie sind Metaphern für eine Gesellschaft, die sich über die Natur hinausentwickeln will, aber von deren Grenzen verfolgt wird. „Etwas ist schiefgelaufen“, sagt Bruns – doch vielleicht macht genau das den Menschen aus. (Zusammenfassung von Ludovica Colacinos Text „Citizens of the abstract“)
Unterstützt durch die Abteilung Kultur Basel-Stadt

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04.Sept – 04.Okt 2025





Fotos: Johannes Bendzulla
Inka ter Haar
*1980 in Duisburg, lebt und arbeitet in Basel
Zu den Werken: more than a feeling, oil on linen, 250 cm x 210 cm, 2021 / 2022
Nach der Corona-Pandemie spürte ich ständig ein Bedrohungsgefühl auf der Straße, alles hatte sich verschärft, der Ton war rauer geworden. Gut, ich lebe im Matthäusquartier, da ist immer ein bisschen was los gewesen, aber jetzt war es plötzlich fast überall in der Stadt. Der Rückzug in den privaten Raum – das wissen wir aus Statistiken – hat Konsequenzen, besonders für Frauen. Diese Gewalt schien nun nach außen zu dringen, das war mein Gefühl. Jetzt ist es längst sichtbar: die öffentlichen Debatten, die Grenzüberschreitungen – es kommt alles an die Oberfläche. Wir müssen da jetzt hinschauen. Die Gewalt geht nicht einfach weg, sie muss umgewandelt werden.
Vor der Pandemie bin ich in Brüssel gewesen, ich hatte zu der Zeit schon lange nichts anderes mehr gesehen als Basel. Ich lief durch die Straßen – Bahnhofsviertel, Rotlichtmilieu –, vor einem Haus lagen Matratzen auf dem Bürgersteig. Menschen hatten sich dort eingerichtet, ihren wenigen Besitz dort verteilt, vor den Häusern. Ihre Matratzen auf dem Bürgersteig – sie schlafen dort. Das Bild hat mich nicht losgelassen.
Malte Bruns
*1984 in Bielefeld, lebt und arbeitet in Düsseldorf
Malte Bruns’ Skulpturen stellen klassische Schönheits- und Perfektionsideale infrage, indem sie menschliche Formen mit einer industriellen, künstlichen Ästhetik verschmelzen. Mithilfe von 3D-Druck und Abgüssen eigener Körperteile erschafft Bruns humanoide Figuren, die zugleich vertraut und fremdartig wirken – Wesen, die die rohe Verletzlichkeit des Menschseins und das groteske Streben nach Unsterblichkeit widerspiegeln. Seine Arbeiten thematisieren die gesellschaftliche Obsession mit der Kontrolle und Optimierung des Körpers sowie die Verdrängung der Sterblichkeit. Die Skulpturen, detailreich und doch abstrakt, zeigen die Spannung zwischen organischer Unvollkommenheit und technologischer Präzision. Sie tropfen, verformen sich und tragen verstörende Züge – Sinnbilder moderner Ängste rund um Mutation, Biotechnologie und Industrialisierung. Bruns zeigt, wie Maschinen und soziale Normen Ideale reproduzieren und Individualität auslöschen, während sie zugleich Transzendenz versprechen. Doch trotz ihrer Verzerrung bleiben seine Figuren zutiefst menschlich. Sie sind Metaphern für eine Gesellschaft, die sich über die Natur hinausentwickeln will, aber von deren Grenzen verfolgt wird. „Etwas ist schiefgelaufen“, sagt Bruns – doch vielleicht macht genau das den Menschen aus. (Zusammenfassung von Ludovica Colacinos Text „Citizens of the abstract“)
Unterstützt durch die Abteilung Kultur Basel-Stadt
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